Schon über zwei Millionen Euro für Familien in Not
Kinderhilfe Holzland präsentiert bei Jahreshauptversammlung eindrucksvolle Ausschüttungssumme – Verwunderung über fehlende Anerkennung der Gemeinnützigkeit
Von Bernhard Brunner
Haarbach. Eine eindrucksvolle Gesamtsumme, die seit der Gründung vor knapp zwölfeinhalb Jahren an Menschen in Not ausgeschüttet worden ist, hat die Kinderhilfe Holzland bei ihrer Jahreshauptversammlung präsentiert. Mit Applaus quittierte die Runde den Betrag von deutlich über zwei Millionen Euro für von Krankheit und anderen Schicksalsschlägen betroffene Kinder und deren Angehörige in den Landkreisen Passau und Rottal-Inn. „Bleibt die Engerl für unsere Familien“, formulierte die Bezirks- und stellvertretende Landrätin Cornelia Wasner-Sommer, selbst Mitglied, in Anspielung an den Namen der Untergruppierung „Engerl & Bengerl“ als Appell.
Die Gesellschaft wäre um ein Vielfaches ärmer, gäbe es nicht solche Zusammenschlüsse wie die Kinderhilfe Holzland, hob die Kommunalpolitikerin in ihrem Grußwort hervor. „Es ist Wahnsinn, was Ihr alles auf die Beine stellt“, wandte sich Cornelia Wasner-Sommer an den Vorsitzenden Peter Stuiber und sein gesamtes Team. Zu bedenken gab sie, dass dieses ehrenamtliche Engagement eine enorme Belastung sei, auch psychisch, was den Kontakt mit Bedürftigen betreffe. Umso wichtiger sei es, „dass wirklich betroffene Familien die Hilfe bekommen“, fügte die Vertreterin von Landrat Raimund Kneidinger hinzu und verwies damit auf die jeweils äußerst sorgfältige Einzelfall-Prüfung durch die Aktivisten der Kinderhilfe Holzland.
„Meilensteine werden hier gesetzt“, unterstrich Haarbachs Bürgermeister Franz Gerleigner. Es sei immer wieder beeindruckend, was bei der Kinderhilfe Holzland geleistet werde, merkte das Gemeindeoberhaupt an und zollte den Leuten Respekt, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Die Tatsache, dass Peter Stuiber seit dem Gründungsdatum 6. November 2013 als Vorsitzender fungiert, wertete Gerleigner als „atemberaubend“. Dabei müsste es solche Initiativen gar nicht geben, würde der Staat Hilfen zielgerichtet leisten „und nicht mit der Gießkanne“. Deutliche Kritik übte der Bürgermeister am Finanzamt, das dem Förderverein der Kinderhilfe Holzland wiederholt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verweigert hat.
Reine Formsache waren die turnusmäßig anstehenden Vorstandswahlen. Jeweils einstimmig im Amt bestätigt wurden Peter Stuiber als erster Vorsitzender und Rosemarie Berger als zweite Vorsitzende sowie Schriftführer Daniel Hutstein und Schatzmeisterin Doris Oswald. Neue Kassenprüfer sind Sebastian Meier und Albert Grill in der Nachfolge von Andi Höppler und Florian Gerleigner. Einmütigkeit herrschte ebenso, was die vom Vorsitzenden vorgeschlagene Erhöhung des Mitgliedsbeitrags auf 20 Euro pro Jahr betraf. Seit der Gründung der Kinderhilfe Holzland wurden jährlich zehn Euro eingezogen. Auch Peter Stuiber drückte seinen Unmut über die fehlende Gemeinnützigkeit des Fördervereins aus, der somit keine Spendenquittungen ausstellen könne.
Rund 250 Familien habe die Kinderhilfe Holzland im Jahr 2025 Hilfestellung gegeben, konstatierte Stuiber in seinem Jahresbericht. Monatlich gingen zwischen 20 und 25 Anfragen Bedürftiger ein, so der Vorsitzende, der die Gesamtzahl unterstützter Familien auf inzwischen über 700 bezifferte. Rund 1000 ehrenamtliche Stunden seien geleistet worden. „Wir haben über zwei Millionen Euro weitergeben dürfen“, betonte Stuiber, der versicherte, dass dies stets erst nach genauester Prüfung der jeweiligen Verhältnisse erfolgt. Die Kinderhilfe Holzland ist nach seinen Worten bestens vernetzt mit Organisationen und Verbänden, allen voran die Jugendämter Passau und Pfarrkirchen, aber auch beispielsweise Frühförderstellen, Pflegeeinrichtungen und Förderschulen sowie Frauenhäuser.
Erwähnung fanden ebenso andere Hilfsorganisationen, darunter der Bayerische Helferverband und der Förderverein Passauer Benefiz-Motorradkorso, bei der Jahreshauptversammlung vertreten durch den Präsidenten der „Korsoaner“, Erich Zieringer. Anfragen an die Kinderhilfe Holzland kommen laut Stuiber hauptsächlich von Familien mit körperlich und geistig behinderten Kindern, schwer erkranktem Nachwuchs oder Betroffenen nach schweren Unfällen beziehungsweise Operationen. Die Hilfeleistung zielt auf Zuzahlungen zu behindertengerechten Umbauten von Fahrzeugen oder Häusern und Wohnungen, beispielsweise die Installation von Treppenliften und barrierefreien Bädern, ab, aber auch auf die Kostenübernahme für Rollstühle sowie für von den Kassen nicht bezahlten Medikamenten, Therapien und Betreuungsmaßnahmen. Die Einzelunterstützung bewege sich zwischen 500 und 7500 Euro.
Ohne Namen oder Orte zu nennen, schilderte der Vorsitzende aufrüttelnde Beispielfälle, verbunden mit schlimmen Schicksalen. Der größte Teil der Hilferufe an die Kinderhilfe Holzland betrifft nach Stuibers Worten alleinerziehende Mütter und Väter, die meist finanziell nicht mehr über die Runden kämen. Gewalt in der Beziehung sei ebenfalls häufig Thema. Hilfe geleistet werde auch gegenüber Familien mit Migrationshintergrund. „Für uns geht’s um die Fakten“, stellte der Sprecher fest und erntete damit Applaus im vollbesetzten Saal des Gasthauses Hasenberger. Auch Unterstützung für das jeweilige Umfeld Betroffener werde mit einbezogen, was die Satzung zulasse, so Stuiber, der auch auf gezielte Förderung von therapeutischem Reiten – mit entsprechenden Erfolgen – aufmerksam machte. Nicht unerwähnt ließ er die Kleiderkammer „Engerl & Bengerl“, bei der es unter anderem gebrauchte Fahrräder gebe – von „Korsoanern“ verkehrstüchtig gemacht.
„Wir schützen unsere Familien“, skizzierte der Vorsitzende als Grundsatz und sicherte Anonymität zu. Bedürftige müssten allerdings im Rahmen der Selbstauskunft ihre wirtschaftlichen Verhältnisse exakt offenlegen. „Eigentlich steht die Hilfe zur Selbsthilfe im Mittelpunkt“, unterstrich Stuiber, der nicht verhehlte, dass der verwaltungstechnische Aufwand immer größer wird. Deshalb habe man eine Bürokraft für den Sitz in der alten Schule in Haarbach eingestellt. Das Fazit des umfassenden Berichts: „Die ganze Arbeit lohnt sich.“ Man bekomme oft erfreuliche Rückmeldungen. Stuibers abschließender Dank galt allen aktiven Helfern, der VR-Bank Vilshofen-Pocking für die Unterstützung, den Therapeuten, allen Spenden und dem Vorstandsteam der Kinderhilfe Holzland.
Den Mitgliederstand bezifferte Schriftführer Daniel Hutstein auf aktuell 347. Er erinnerte an elf Vorstandssitzungen im vergangenen Jahr. Im Kassenbericht wies Doris Oswald unter anderem auf ansehnliche Einnahmen aus Spendenläufen an Schulen hin. Erfreulich sei der Zugang von über 7500 Euro aus Spenden im Zusammenhang mit Sterbefällen gewesen, bei deren Bestattungen zugunsten der Kinderhilfe Holzland auf Blumen- und Kranzschmuck verzichtet werde. Das gesamte Spendenaufkommen bewegte sich 2025 bei knapp 225.000 Euro. Hilfen an Familien wurden im Umfang von über 250.000 Euro ausbezahlt.
Zuletzt stellte Astrid Kantner das Haus Anna, das erste teil- und vollstationäre Kinderhospiz in der Region Niederbayern, vor. Ziel sei es, im konkreten Fall das gesamte betroffene Familiensystem zu stärken und zu betreuen. „Jedes Kind bekommt einen individuellen Förderplan“, erklärte die Referentin und formulierte es als Devise der Einrichtung, „jeden Tag mit Leben zu füllen.“ Alle Angebote für Familien nach dem Prinzip „Intensiv-Pflege im Wohnzimmer“ seien kostenlos, ließ Astrid Kantner die Zuhörer wissen. Zu 60 Prozent ist das Haus Anna laut Aussage der Sprecherin spendenfinanziert, es gibt rund 300 ehrenamtliche Unterstützer. Ihr Dank galt nicht zuletzt der Kinderhilfe Holzland für die Unterstützung dieser wichtigen Institution.

